Mittel der Kommunikation
Als probates Mittel dieser Kommunikation mit dem Ziel der Förderung der Verantwortung haben sich tatsächlich Chargebacks und Showbacks erwiesen. Mit Chargebacks etwa werden Business Units oder Entwicklungsteams ihre Cloud-Käufe in Rechnung gestellt. Auf diese Weise wird für alle anderen sichtbar, wie viel eine Unit kauft und ob die erworbenen Cloud-Services dort auch tatsächlich genutzt werden.
Oft wehren sich Mitarbeiter gegen ein Chargeback-Modell, da sie glauben, dass die Zeit, die für die Analyse der Kosten aufgewendet wird, ihre Arbeit verlangsamt. Chargebacks werden jedoch mittelfristig sicher zu einer breiteren Unterstützung der Führung und entsprechenden KPI-Anpassung führen:
Eine neue Form des Verantwortungsgefühls wird immer mehr Teams erkennen lassen, dass Geschwindigkeit zwar oft entscheidend ist, aber auch Kosten und Verschwendung berücksichtigt werden müssen. Die Balance zwischen Governance und Agilität wird auf lange Sicht allen helfen, ihre Geschäftsziele auf verantwortliche Weise zu erreichen, ohne dass Geschwindigkeit oder Innovation zu kurz kommen.
In ähnlicher Weise ermöglicht es ein Showback-Modell den Business Units zu bewerten, wie viel sie in der Cloud ausgeben. Sie können hier ihre spezifischen Kosten und Ausgaben für das gesamte Unternehmen, wie etwa die für Netzwerke oder Speicher, überprüfen.
Ein interessanter Effekt: Showbacks zeigen die Ausgaben einzelner Geschäftsbereiche der gesamten Organisation. Wenn eine Gruppe 50 % weniger Kostenoptimierung realisiert als jedes andere Team, könnten ihre Showbacks sie dazu motivieren, Änderungen vorzunehmen.
Tagging der Cloud-Ressourcen
Auch das Kennzeichnen (Tagging) aller Cloud-Ressourcen hilft einem FinOps-Team festzustellen, wer für welche Ausgaben verantwortlich ist. Durch das Zuweisen von Tags können Sie Workloads, Geschäftseinheiten oder Anwendungen schnell und einfach anzeigen oder verbuchen. Tagging ist für jede FinOps-Praxis von entscheidender Bedeutung und ermöglicht es, Budgets zuzuweisen, zukünftige Cloud-Ausgaben zu prognostizieren und damit die besagte Kultur der Verantwortlichkeit zu schaffen und zu festigen.
Festlegen von FinOps-KPIs zur Förderung der Verantwortlichkeit
Eine Kultur der Verantwortlichkeit erfordert auch, dass FinOps-Teams klare KPIs für verschiedene Benutzergruppen festlegen. Diese KPIs können je nach den Zielen der einzelnen Teams variieren. Einige Gruppen konzentrieren sich möglicherweise auf Geschwindigkeit, während andere Innovation oder Leistung priorisieren. Bei der Auswahl von KPIs kann man die bekannte Methodik des Eisernen Dreiecks nutzen, mit der in Unternehmen in der Regel viele im Projektmanagement tätige Mitarbeiter vertraut sind.
Bei der Priorisierung von Migrationen oder der Entwicklung neuer Anwendungen ist zu berücksichtigen, wie sich ein Teil des Eisernen Dreiecks auf alles andere auswirkt. Wird eine höhere Qualität gewünscht, ist das teurer. Ist Geschwindigkeit das Ziel, muss man in der Regel auf Qualität verzichten.
Kosteneinsparungen können sich bei unsachgemäßer Ausführung negativ auf Qualität und Geschwindigkeit auswirken. Ein kostenorientierter Ansatz kann dazu führen, dass sich Teams in den Details verlieren, anstatt das Gesamtbild zu betrachten.
Von der Unternehmensführung klar definierte Prioritäten zu erhalten, wird hier helfen, einen klaren Fokus zu finden: Soll das alte On-Premises Rechenzentrum innerhalb einer bestimmten Frist aufgegeben werden, liegt der Fokus möglicherweise zunächst auf Geschwindigkeit und nicht auf Kosten. Die Ziele und KPIs für einzelne Teams stimmen mit dieser Deadline überein. Im nächsten Quartal werden es dann möglicherweise neue KPIs sein, die sich eher auf die Kosten konzentrieren.
Die Nutzung des Eisernen Dreiecks zeigt allen, worauf sie ihre Bemühungen konzentrieren müssen. Wichtig aber ist, dass so ein Bewusstsein für das Zusammenspiel der Notwendigkeiten und damit der Kosten entsteht – dieses Bewusstsein ist die Grundvoraussetzung für eine Kultur der Verantwortlichkeit.