Drei Governance-Fragen für Copilot und AI Agents
Unternehmen in der DACH-Region müssen weder in Panik geraten, noch eine 80-seitige AI Governance Policy aufsetzen. Was Sie benötigen, ist ein pragmatischer Einstieg. Drei Fragen helfen dabei:
1. Welche KI-Systeme und Agents sind im Einsatz?
Viele Unternehmen diskutieren Governance für KI, ohne genau zu wissen, welche KI bereits genutzt wird. Microsoft 365 Copilot, Copilot Studio, Custom Agents, externe KI-Tools, Browser-Erweiterungen, SaaS-Funktionen mit eingebauter KI, Fachbereichslösungen mit eigenen Assistenten, Test-Accounts, Schattenprojekte. Kleine Automatisierungen, die irgendwann produktiv wurden. Was nicht sichtbar ist, kann nicht gesteuert werden.
Den ersten Schritt bildet deshalb nicht die perfekte Policy, sondern Transparenz. Welche KI-Tools werden genutzt? Welche Datenquellen sind angebunden? Welche Benutzergruppen arbeiten damit? Welche Agents existieren bereits? Wer ist Owner? Wer darf neue Agents erstellen? Welche externen Dienste werden verwendet? Ohne diese Sicht bleibt Governance eine PowerPoint-Übung.
2. Sind Daten und Berechtigungen überhaupt AI ready?
Der Begriff wirkt zunächst abstrakt, ist aber eigentlich sehr bodenständig. AI Readiness bedeutet nicht, dass jedes Dokument perfekt gepflegt sein muss. Vielmehr geht es darum, dass die größten Risiken bekannt und adressierbar sind.
Welche SharePoint Sites sind zu weitreichend freigegeben? Wo gibt es Anyone-Links? Welche Teams haben keine aktiven Owner mehr? Welche sensiblen Daten liegen ohne Label in allgemein zugänglichen Bereichen? Welche externen Gäste haben noch Zugriff? Welche Daten sollten für Copilot oder Agents nur eingeschränkt nutzbar sein? Welche Inhalte müssen klassifiziert, geschützt oder aus bestimmten KI-Szenarien ausgeschlossen werden?
Hier wird unweigerlich Microsoft Purview relevant. Nicht als einzelnes Tool, das magisch alles löst, sondern als Kontrollinstanz: Sensitivity Labels helfen, Daten einzuordnen und Schutzentscheidungen an Inhalte zu binden. DLP hilft, unerwünschte Datenbewegungen zu erkennen oder zu stoppen. Audit macht Aktivitäten nachvollziehbar. Insider Risk Management kann auffällige Muster sichtbar machen. Retention und Records Management helfen, Altlasten kontrollierter zu behandeln. DSPM for AI kann dabei unterstützen, Risiken in der Datenlandschaft gezielter sichtbar zu machen. Oder einfacher gesagt:
Bevor ein Agent mit Daten arbeitet, sollte das Unternehmen wissen, welche Daten das sind, wie sensibel sie sind und ob ein Zugriff überhaupt gewollt ist.
3. Wer trifft welche Entscheidungen?
Das ist oft der unangenehmste Teil. Nicht, weil die Frage kompliziert zu verstehen ist. Sondern weil sie selten sauber beantwortet wurde. IT betreibt die Plattform. Security soll Risiken bewerten. Datenschutz muss eingebunden werden. Compliance verlangt Nachweise. Legal prüft Verträge. Einkauf beschafft Tools. Fachbereiche benötigen Geschwindigkeit. Management erwartet Produktivität. Und irgendwo dazwischen entstehen Agents.
Wenn niemand klar verantwortlich ist, entsteht Governance durch Zufall. Für den Einsatz von AI Agents wird deshalb ein einfaches Operating Model benötigt. Dieses muss nicht perfekt sein, aber eindeutig genug, um basierend darauf konkrete Entscheidungen treffen zu können:
- Wer darf neue Agents erstellen?
- Wer genehmigt Datenquellen?
- Wer bewertet Risiken?
- Wer prüft, ob ein Agent nur lesen oder auch schreiben darf?
- Wer kontrolliert externe Verbindungen?
- Wer ist fachlicher Owner?
- Wer prüft die Logs, wenn etwas schiefgeht?
- Wer entscheidet, ob ein Agent eingesetzt werden darf?
Diese Fragen sind nicht glamourös. Aber sie verhindern, dass Security erst dann eingebunden wird, wenn der Agent bereits produktiv arbeitet und niemand mehr genau weiß, welche Berechtigungen er eigentlich erhalten hat.