Non-Human Identities im Fadenkreuz, Quest Session | Go Hack Yourself 2026
Non-Human Identities im Fadenkreuz: Service Accounts absichern
Viele Unternehmen zählen bis zu 40 nichtmenschliche Identitäten pro Mitarbeiter, Dienstkonten, Service Accounts, Managed Identities und agentische Identitäten via Model Context Protocol (MCP), oft unüberwacht. Bastian Verdonk, Principal Technology Strategist bei Quest, erklärt, warum ein einziges überprivilegiertes Dienstkonto für Lateral Movement, Golden Tickets und Datenexfiltration reicht, und welche Governance-, Least-Privilege- und Just-in-Time-Leitplanken das verhindern.

Nichtmenschliche Identitäten wachsen durch KI und agentische Workloads über die Zahl der menschlichen hinaus, bis zu 40 pro Mitarbeiter, häufig ohne Besitzer und Überwachung. Weil Angreifer über Phishing an Tokens kommen und MFA umgehen, wird ein überprivilegiertes Service Account zum Einfallstor für Lateral Movement, Golden Tickets und Datenexfiltration. Quest zeigt Leitplanken: klarer Besitzer, dokumentierter Zweck, Datenzugriffsklassifizierung, Least Privilege mit RBAC, Just-in-Time via PIM, Passwort-Rotation und keine Standing Credentials.
Non-Human Identities wachsen über die menschlichen Identitäten hinaus
Weil Firmen KI für bis zu 20 % mehr Effizienz einsetzen, explodiert die Zahl agentischer Identitäten, der CEO von Zscaler rechnet mit mehreren Milliarden Agenten, die geschützt werden müssen. In der Praxis zählen Unternehmen bereits bis zu 40 nichtmenschliche Identitäten pro Mitarbeiter, die zum Teil gar nicht überwacht werden. Gleichzeitig ziehen sich Cyber-Versicherer zurück, weil der Schaden einer lahmgelegten Firma kaum in Geld auszudrücken ist.
Identität und Cyber Resilience sind Vorstandssache
Zu lange galten Identität und Cybersecurity als rein technisches Thema, laut dem von Bastian Verdonk zitierten Richard Horny ist das nicht mehr haltbar. Es ist Aufgabe von Vorständen und Geschäftsführungen, Identität und Cyber Resilience zur Führungsaufgabe zu machen. Weil agentische KI-Modelle so schnell wachsen, entstehen dabei mehr Identitäten, als jede IT-Abteilung nebenbei absichern kann.
Warum ein gekapertes Dienstkonto genügt
Die meisten Vorfälle laufen über die Identität: Eine Phishing-Mail, ein Klick, ein abgegriffenes Token, und mit umgangenem MFA agiert der Angreifer unauffällig als legitimer Nutzer. Service Accounts sind besonders wertvoll, weil ihre Passwörter oft fünf, sechs bis über zehn Jahre nicht rotiert wurden und sie überprivilegierte, teils Enterprise-Rechte tragen. Ein reales Assessment fand ein SQL-Server-Service-Account mit Enterprise-Rechten als Mitglied der Gruppe „Everyone“, in einem Konzern mit 65.000 Mitarbeitern hatte damit jeder Vollzugriff.
Standing Credentials, MCP und agentische Angriffspfade
Ein Agent oder LLM-Workload darf nicht unter dem Standard-Benutzernamen und Passwort einer Person laufen, Standing Credentials erlauben es ihm, unsichtbar durch alle Applikationen zu gehen, ohne dass nachvollziehbar bleibt, ob Mensch oder Prozess handelt. Model Context Protocol (MCP) ist laut Quest eine der größten Schwachstellen im agentischen Umfeld, weil es Klartext-JSON-Dateien nutzt und sich schnell kapern lässt, um Tokens und Identitäten zu stehlen. Über ein einziges Token lassen sich agentische Prozesse starten, die via MCP unbemerkt auf Salesforce, ServiceNow, Workday und Databricks zugreifen.
Governance, Least Privilege und Just-in-Time als Leitplanken
Jede nichtmenschliche Identität braucht einen dokumentierten Besitzer, einen Zweck und eine Datenzugriffsklassifizierung, am besten mit Start- und Enddatum. Least Privilege mit role-based access control (on-prem und Cloud), Just-in-Time-Zugriff via PIM für Joiner/Mover/Leaver sowie Passwort-Rotation für (Group) Managed Service Accounts sind Pflicht. In Azure gilt es zusätzlich, Secret Sprawl zu vermeiden, Service Principals kurzlebig zu halten und Conditional Access samt Anmeldeprotokoll-Überwachung durchzusetzen.
Zugriffsketten sichtbar machen: Quest Assessments
Die Kernfrage lautet nicht mehr nur „darf eine Identität zugreifen?“, sondern „kann ich der Entscheidungslogik eines Agenten vertrauen?“. Deshalb braucht es Nachvollziehbarkeit ganzer Zugriffsketten, etwa Pin-Wire-Diagramme, die zeigen, wie „Sarah aus Marketing“ über Backup-Skripte an Kundendatenbanken gelangt. Quest deckt per Assessment die fünf kritischsten Konten, Nutzer mit veralteten Passwörtern und als Mitarbeiterkonto missbrauchte Service Accounts auf und unterstützt bei der Wiederherstellung von Active Directory und Entra ID nach einer Kompromittierung.
Was sind Non-Human Identities (nichtmenschliche Identitäten)?
Dienstkonten für Datenbanken, Service Accounts für Applikationen, Unique/Single/Group/Dynamic Managed Service Accounts in Active Directory sowie Service Principals, Managed Identities, Workload Identities und Federation in Microsoft Entra ID, plus agentische Identitäten, die über das Model Context Protocol (MCP) gesteuert werden. Viele Firmen zählen bis zu 40 solcher Identitäten pro Mitarbeiter, häufig unüberwacht.
Warum sind Service Accounts ein bevorzugtes Angriffsziel?
Weil ihre Passwörter oft jahrelang nicht rotiert werden, Assessments finden Konten mit fünf bis über zehn Jahren gleichem Passwort, und weil sie meist überprivilegierte, teils Enterprise-Rechte tragen. Ein gekapertes Dienstkonto ermöglicht Lateral Movement, den Diebstahl von Golden Tickets sowie Datenexfiltration und Verschlüsselung der Infrastruktur.
Warum sind Standing Credentials für agentische Identitäten riskant?
Ein Agent oder LLM-Workload darf nicht unter dem Standard-Benutzernamen und Passwort einer Person laufen. Standing Credentials erlauben es dem Agenten, unsichtbar durch alle Applikationen zu gehen, ohne dass nachvollziehbar ist, ob die Person oder ein Prozess handelt. Besser ist eine eigene, der Person zugewiesene nichtmenschliche Identität mit weniger Berechtigung.
Wie sichert man nichtmenschliche und agentische Identitäten ab?
Jede Identität braucht einen Besitzer, einen dokumentierten Zweck und eine Datenzugriffsklassifizierung, idealerweise mit Start- und Enddatum. Least Privilege mit RBAC (on-prem und Cloud), Just-in-Time-Zugriff via PIM für Joiner/Mover/Leaver, Passwort-Rotation für (Group) Managed Service Accounts und der Verzicht auf Standing Credentials sind Pflicht.
Welches Risiko birgt MCP (Model Context Protocol)?
MCP ist laut Quest eine der größten Schwachstellen im agentischen Umfeld, weil es Klartext-JSON-Dateien für Prozesse nutzt. Angreifer können MCP schnell kapern und Tokens oder Identitäten stehlen. MCP-Workloads müssen deshalb auditiert und überwacht werden, auf korrekte Berechtigung und darauf, dass sie nur auf zulässige Applikationen zugreifen.
1. Warum nichtmenschliche Identitäten heute ein Vorstandsthema sind
Die Session startet mit der Beobachtung, dass Unternehmen weltweit künstliche Intelligenz einsetzen, um Produktivität und Effizienz zu steigern. Gleichzeitig nutzen Cyberkriminelle dieselben Technologien, um Angriffe glaubwürdiger und erfolgreicher zu gestalten. Dadurch entwickelt sich Cyberkriminalität zu einem der am schnellsten wachsenden Risikobereiche weltweit.
Der Vortrag argumentiert, dass Identität und Cyber Resilience nicht länger reine IT-Themen sind. Sicherheitsrisiken rund um Identitäten müssen auf Management- und Vorstandsebene behandelt werden, da sie unmittelbare Auswirkungen auf Geschäftsprozesse, Verfügbarkeit und Unternehmensrisiken besitzen.
2. Was sind Non-Human Identities?
Nichtmenschliche Identitäten sind keine neue Entwicklung. Unternehmen nutzen diese Konzepte bereits seit Jahren in Form von Dienstkonten, Service Accounts, Managed Service Accounts oder technischen Benutzerkonten.
Mit Cloud-Plattformen kamen weitere Identitätsformen hinzu, darunter Service Principals, Managed Identities, Workload Identities und föderierte Identitäten. Moderne KI-Systeme und Agenten benötigen ebenfalls eigene Identitäten, um automatisiert auf Anwendungen, Datenquellen und Geschäftsprozesse zugreifen zu können.
3. KI-Agenten treiben das Wachstum von Identitäten
Ein zentraler Trend ist die enorme Zunahme agentischer Identitäten. Unternehmen setzen zunehmend KI-Agenten ein, die eigenständig Aufgaben ausführen, Daten verarbeiten und Geschäftsprozesse anstoßen. Für diese Aktivitäten benötigen die Systeme eigene Zugriffsrechte.
Der Vortrag verweist auf Marktprognosen, die von Milliarden zusätzlicher KI-Agenten und nichtmenschlicher Identitäten ausgehen. Dadurch entsteht eine Sicherheitsherausforderung, die weit über klassische Benutzerkonten hinausgeht.
4. Warum Angreifer Identitäten bevorzugen
Die Session verdeutlicht, dass moderne Cyberangriffe häufig über kompromittierte Identitäten erfolgen. Statt Firewalls oder Netzwerke direkt anzugreifen, nutzen Angreifer gestohlene Zugangsdaten, Tokens oder kompromittierte Service Accounts.
Mit einer gültigen Identität können Angreifer sich legitim im Unternehmen bewegen. Dadurch werden Sicherheitsmaßnahmen umgangen, während gleichzeitig sensible Systeme, Anwendungen und Daten erreichbar bleiben.
5. Die Entwicklung von Dienstkonten zu Cloud-Identitäten
Historisch entstanden Dienstkonten zunächst als statische Service Accounts. Microsoft führte später Managed Service Accounts (MSA) und Group Managed Service Accounts (gMSA) ein, um Passwortrotation und Verwaltung zu vereinfachen.
Mit hybriden Infrastrukturen kamen Cloud-basierte Identitäten hinzu. Unternehmen müssen heute Active Directory, Entra ID, Service Principals, Managed Identities und weitere Identitätstypen gleichzeitig verwalten. Dadurch steigt die Komplexität erheblich.
6. Überprivilegierte Service Accounts als Sicherheitsrisiko
Ein wiederkehrendes Thema ist die hohe Berechtigung vieler technischer Konten. Historisch wurden Service Accounts häufig mit sehr weitreichenden Rechten ausgestattet, um Funktionsstörungen zu vermeiden.
Viele dieser Konten verfügen bis heute über privilegierte Berechtigungen, obwohl ihr ursprünglicher Zweck längst nicht mehr nachvollziehbar ist. Angreifer suchen gezielt nach solchen Konten, da sie damit umfassenden Zugriff auf IT-Umgebungen erhalten können.
7. Passwortrotation und Legacy-Konten
Quest beschreibt zahlreiche Assessments, bei denen Service Accounts mit unveränderten Passwörtern über viele Jahre hinweg identifiziert wurden. Diese Konten stellen ein erhebliches Risiko dar, weil sie häufig dauerhaft aktiv bleiben und selten überwacht werden.
Regelmäßige Passwortrotation und konsequente Inventarisierung gelten deshalb als grundlegende Sicherheitsmaßnahmen für technische Konten.
8. Lateral Movement und Golden Tickets
Kompromittierte Identitäten dienen häufig als Ausgangspunkt für sogenannte Lateral Movements. Angreifer bewegen sich dabei schrittweise durch die Infrastruktur und erweitern ihre Rechte kontinuierlich.
Besonders gefährlich wird dies in Verbindung mit hochprivilegierten Konten, da dadurch weitere Systeme kompromittiert und sogenannte Golden Tickets oder vergleichbare Persistenzmechanismen aufgebaut werden können.
9. Agentische Identitäten und Large Language Models
Agentische KI-Systeme nutzen Large Language Models, um Aufgaben zu automatisieren. Dabei greifen sie auf E-Mail-Systeme, Datenspeicher, Anwendungen und Geschäftsprozesse zu.
Der Vortrag warnt ausdrücklich davor, dieselben Zugangsdaten für Menschen und Agenten zu verwenden. Agenten sollten eigene nichtmenschliche Identitäten besitzen, die klar einer verantwortlichen Person oder einem Prozess zugeordnet werden können.
10. Standing Credentials und fehlende Trennung
Agenten dürfen nicht mit denselben Benutzerkonten arbeiten wie Mitarbeitende. Werden bestehende Zugangsdaten genutzt, entstehen erhebliche Risiken bei Nachvollziehbarkeit, Incident Response und Auditierung.
Die Session empfiehlt daher dedizierte Identitäten mit klar definierten Rechten und nachvollziehbaren Verantwortlichkeiten.
11. Cloud-Identitäten und Secret Sprawl
Mit Service Principals und Managed Identities entstehen neue Herausforderungen im Cloud-Umfeld. Häufig wachsen Geheimnisse, Tokens und Zugangsdaten unkontrolliert an, was als Secret Sprawl bezeichnet wird.
Unternehmen benötigen deshalb Richtlinien für Lebenszyklen, Überwachung und Berechtigungsmanagement von Cloud-Identitäten.
12. MCP als neuer Angriffsvektor
Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf Model Context Protocol (MCP). Dieses Protokoll wird für die Kommunikation agentischer Systeme genutzt und entwickelt sich laut Vortrag zu einem zentralen Sicherheitsrisiko moderner KI-Architekturen.
Werden MCP-Prozesse nicht ausreichend kontrolliert, können Identitäten, Tokens und Prozesse kompromittiert werden. Dadurch entstehen neue Angriffspfade auf Anwendungen, Daten und Geschäftsprozesse.
13. Warum jede Identität einen Besitzer benötigt
Der wichtigste Governance-Grundsatz der Session lautet: Jede nichtmenschliche Identität braucht einen Verantwortlichen. Unternehmen müssen nachvollziehen können, wem eine Identität gehört, welchen Zweck sie erfüllt und welche Systeme sie nutzen darf.
Ohne eindeutige Zuordnung können Sicherheitsverantwortliche weder Risiken bewerten noch fundierte Entscheidungen bei Sicherheitsvorfällen treffen.
14. Least Privilege und Just-in-Time Access
Quest empfiehlt konsequent Least Privilege, Role-Based Access Control und Just-in-Time-Mechanismen. Identitäten sollen ausschließlich die Rechte erhalten, die für ihren jeweiligen Zweck notwendig sind.
Zusätzlich sollten privilegierte Rechte zeitlich begrenzt vergeben werden, um potenzielle Missbrauchsmöglichkeiten zu reduzieren.
15. Nachvollziehbarkeit von Identitätsketten
Mit agentischen Systemen entstehen komplexe Zugriffsketten zwischen Benutzern, Agenten, Anwendungen und Datenquellen. Unternehmen benötigen Transparenz darüber, welche Identitäten auf welche Systeme zugreifen und welche Aktionen dadurch ausgelöst werden.
Die Session bezeichnet diese Sichtbarkeit als zentrale Voraussetzung moderner Governance-Strategien. Nur so lassen sich Anomalien, Fehlkonfigurationen oder kompromittierte Prozesse identifizieren.
16. Assessments und Governance als Zukunftsaufgabe
Zum Abschluss beschreibt Quest Assessments, die kritische Konten, privilegierte Berechtigungen, veraltete Kennwörter und problematische Identitätskonfigurationen sichtbar machen. Ziel ist es, Risiken proaktiv zu identifizieren und Governance-Strukturen aufzubauen, bevor Sicherheitsvorfälle eintreten.
Die Session unterstreicht, dass die Absicherung von Non-Human Identities zu den wichtigsten Security-Aufgaben der kommenden Jahre gehört.